Kauf-Reue



      Kauf-Reue?

      Jeder hat das schon mal erlebt. Man kauft etwas, freut sich diebisch und irgendwann nach Stunden, dem nächsten Tag oder der nächsten Kreditkartenabrechnung ereilt sie einen. Die Kauf-Reue! Es ist ganz unterschiedlich, worum es da geht. Ob es um Kleidung, Möbel, Schmuck, die 20. Uhr oder doch das Schnitzel mit Sauce Hollandaise statt des Salattellers (ohne Sprossen) den man sich eigentlich vorgenommen hatte, geht. Letzteres ist besonders schwierig, da man es nicht unbenutzt binnen 14 Tagen zurückgeben kann. Man stellt sich Fragen wie: „Musste das sein?“ oder man sinniert, ob man alles wieder rückgängig macht. Nicht aus Überzeugung sondern nur „vorsichtshalber“, um „noch mal in Ruhe zu überlegen“. Es wird in einer Woche jedoch nicht besser werden.
      Wenn man schon bei so übersichtlichen Dingen nachdenklich wird, ob man die richtige Entscheidung getroffen hat, dann ist es nur natürlich, wenn es bei den Großen ebenfalls vorkommt. Beste Beispiele sind da der Autokauf oder noch bedeutender – der Kauf seiner Immobilie. Im Grunde ist dies auch gut so, denn eine maßvolle Kauf-Reue schützt vor Dummheiten. Wird sie jedoch zu stark, so hält sie einen von wichtigen Entscheidungen im Leben ab und macht das Miteinander von Käufer und Verkäufer zum Belastungstest für beide Seiten. Auch Verkäufer sind Menschen. Der fristgemäße Widerruf von Geschäften ist legitim, sollte aber von gutem Grunde sein. Niemand käme auf die Idee, sich im Restaurant ein Menü zu bestellen und beim Anrichten auf dem Teller dem Koch mitzuteilen, dass man doch zur Pizzeria gegenüber tendiere. Die Arbeit des Kochs ist getan und auch er lebt von seiner Arbeit.
      Wie läuft denn heute so etwas ab? Viele Kunden sind durch das Internet bestens vorinformiert. Sie wissen, was Sie wollen und haben im Grunde auch ein Gefühl für den vermutlich richtigen Preis. Dann muss man an die Käuferfront und erlebt Gutes und Schlechtes. Letzteres ist nützlich, denn dann weiß man einen guten Berater danach zu schätzen. Verwirrend ist es nur, wenn man gleich beim Ersten auf einen vertrauenswürdigen, offenen Verkäufer mit einem guten Produkt trifft. So wie man es haben wollte. Ganz natürliche Reaktion: „Ich kann doch nicht beim Ersten kaufen!“ Weshalb ? Weil wir so erzogen werden! Ob Gemüsehobel oder Einfamilienhaus, es muss doch noch irgendwo ein „Schnäppchen“ geben und gehandelt haben wir auch noch nicht. Seit wann wird denn davon ausgegangen, dass jemand einen ehrlichen Preis anbietet? Ein Teufelskreis! Sie kennen das vielleicht vom Autokauf. Sie gehen zielstrebig zu dem Wagen, für den Sie Feuer und Flamme sind und auf den Sie schon seit Monaten ein Auge geworfen haben. Trotzdem sagen Sie dem dummerweise noch netten und kompetenten Verkäufer, dass Sie „sich das Ganze überlegen“ und fahren dann noch fünf weitere Autos nur aus dem Grund Probe, weil Sie sich selber bestätigen wollen, dass der Erste natürlich der Beste war. Und dies auch nicht weil der Preis so toll war, sondern, weil er eben 6 Gänge und 20 km/h mehr Speed hat, als die Kiste vom Chef.
      Nun ist es aber doch passiert. Sie waren einfach zufrieden bei einem Kauf und haben es getan. Stolz wie ein Torero flanieren Sie mit Ihrem druckfrischen Bauwerkvertrag für Ihr Traumhaus heim. Ab dann treffen Sie meist nur noch auf Bauleiter, Architekten, Sachverständige, Schuldnerberater und vor allem Neidhammel, die Ihnen erzählen, was Sie alles falsch gemacht haben und das Sie sich das doch gar nicht leisten können und sollten. Dies ist eine der Hauptviren, die chronische Kauf-Reue auslösen und sie ist nur mit Standhaftigkeit, Selbstvertrauen und der Fähigkeit des höflichen Hindurchhörens zu kurieren. Punkt! Man muss irgendwann auch einmal zu seiner guten Entscheidung stehen. Das ist man vor allem sich selbst schuldig. Zu Ihrem Richtfest werden alle Berufspessimisten als Erste am Buffet stehen und Ihnen auf die Schulter klopfen.
      Noch eine alte Weisheit am Ende: Rabatt ist eben immer nur der nachträgliche Abzug auf einen Aufschlag!
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