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Der Hausbank-Bonus

Kennen Sie das noch? In guter alter Zeit, als das Sparbuch noch ein Buch war und kein Kontoauszug, den man sich am Automaten holen musste, als man Geld noch guten Gewissens am Schalter einzahlen konnte, Zeit für ein entspanntes Wort mit den Bankangestellten war, man Termine nicht über Call-Center vereinbaren musste und ein tiefer Blick in die Augen nebst Handschlag beim Filialleiter mehr galten, als 3 Punkte im Scoring-Programm des Bankcomputers, da gab es ihn noch. Den Hausbank-Bonus. Mag man ihn nennen wie man will. Es war eine Art stillschweigende oder vielleicht auch manchmal laute Art der Anerkennung für viele treue Jahre als Kunde in einer Bank. In den gebrauchten Bundesländern kannte man das, wie ich hörte, wohl noch mehr, als bei uns. Doch auch hier in Mitteldeutschland war dies nach meinen Empfindungen bis Ende der 90-er Jahre eine gepflegte Art der Wertschätzung und viele Menschen erwarten dies stillschweigend auch heute noch. Sehen wir uns doch mal an, was wir zu dem Thema erleben. Es ist bezeichnend, dass es einige, wenige überregionale Banken als wirksame Werbeaussage erkannt haben, Bestandkunden wie Neukunden behandeln zu wollen. Es macht als Werbeaussage nur Sinn, wenn man sich damit von seinen Mitbewerbern absetzt und den Wunsch der Kundschaft trifft. Einen Applaus der PR-Abteilung. Die Realität ist meist, dass der Neukunde mit Boni, Werbegeschenken, Werbeprämien und Zinsvorteilen überhäuft wird, während der langjährige Kunde nur dann gute Konditionen erhält, wenn er sich laut empört. Man schürt mit dieser Preispolitik das Bankenhopping, wie ich es nenne. Dabei möchte man doch angeblich jeden Kunden langfristig und bedarfsorientiert betreuen. Wie soll das gehen, wenn man ihn mit Missachtung straft und aus dem Haus komplimentiert?
Ich sehe ja nun schon seit einigen Jahren gottlob über den Tellerrand einer einzigen Bank hinaus und treffe gemeinsam mit meinen Kunden unabhängig Entscheidungen aus einer riesigen Auswahl von Banken, Versicherungen und Finanzinstituten. Nicht selten erlebe ich, dass die Menschen natürlich erst zu Ihrer Hausbank gehen. Das ist natürlich in Ordnung und verständlich. Sofern Sie in einer akzeptablen Zeit einen Termin bekommen. Sprechen wir dann miteinander und vergleichen Konditionen, frage ich oft verwundert, ob sie denn schon lange Kunde dieser Bank wären, denn die Konditionen sind teils nicht annähernd konkurrenzfähig. Aktuelles Beispiel einer netten Familie aus einem benachbarten Landkreis, die gern ein Einfamilienhaus bauen möchte und eine Baufinanzierung suchte. Sie legt, nach der Beratung bei uns, das Angebot Ihrer langjährigen Hausbank, einer Volksbank, vor. Unser Baufinanzierungsangebot lag bei ca. 2,50 % p.a., hatte keine Nebenkosten, hatte Sondertilgungsrechte etc.. Die entsetzte Familie vergleicht die Berechnung mit der Ihrer Ihrer Hausbank. Nominalzins deutlich über 5 % p.a., zusätzlich ein Agio von 1 % sowie, weil Kontoführungsgebühren ja nicht mehr statthaft sind, eine Art Bereitstellungsgebühr für den Jahreskontoauszug. Nochmal verdeutlicht, es war eine gut verdienende Familie ohne jegliche negativen Auskünfte, mit Eigenkapital und dem Wunsch nach einem eigenen Heim. Alle anderen Eckdaten der Finanzierung waren gleich. Es war der eklatanteste von vielen Fällen, den ich in den letzten Jahren gesehen hatte.
War lehrt uns das? Die Zeit des Hausbank –Bonus ist vorbei. Es mag vereinzelt noch kleine, feine Filialen von Banken geben, die sich den Luxus einer solchen Unternehmenspolitik leisten wollen und dürfen. Wollen, würden sicher viele der Angestellten, denn sie machen Ihren Job gern und mit Engagement. Das Bankgeschäft in den großen Instituten ist jedoch mehr und mehr geprägt von Terminquoten, Verkaufsvorgaben und Neukundegewinnung. Wer Fairness und Unabhängigkeit sucht, muss einen Partner wählen, der auf seiner Seite steht und ihm eine wirkliche Auswahl bieten kann und vor allem auch will. Es zahlt sich aus !

ML121012

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